Schulsystem in Deutschland
In Deutschland besteht für alle Kinder im Schulalter Schulpflicht. Es gibt private und öffentliche Schulen sowie mehrere Schulformen und Schulabschlüsse.
Schulpflicht
Alle Kinder in Deutschland müssen in die Schule gehen. Die Schulpflicht beginnt mit dem vollendeten sechsten Lebensjahr. In Hessen werden alle Kinder eingeschult, die vor dem 30. Juni ihren sechsten Geburtstag feiern, in Rheinland-Pfalz vor dem 31. August, in Bayern vor dem 30. September.
Für neun Jahre müssen alle Kinder und Jugendliche in Hessen in eine Schule gehen. Dann endet die allgemeine Schulpflicht. In Hessen verlängert sich die Schulpflicht aber um ein weiteres Jahr, wenn kein Schulabschluss erreicht oder kein Ausbildungsplatz angetreten wurde oder keine weiterführende Schule besucht wird. In Rheinland-Pfalz und Bayern dauert die Schulpflicht zwölf Jahre.
Öffentliche vs. private Schulen
In Deutschland gehen fast alle Schüler (über 90 %) auf öffentliche Schulen. Diese werden vom Staat finanziert und sind daher kostenlos. Die Qualität der öffentlichen Schulen ist meistens dennoch sehr gut. Öffentliche Schulen sind für alle Kinder zugänglich, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder den finanziellen Verhältnissen der Familie.
Neben den öffentlichen Schulen gibt es auch Privatschulen. Bei diesen fallen Schulgebühren an, die Sie selbst zahlen müssen und die teilweise recht hoch sind. In FrankfurtRheinMain gibt es viele Privatschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten. Dazu zählen auch die internationalen und bilingualen Schulen. Für private Schulen entscheiden sich Eltern meist aufgrund besonderer Betreuungsangebote, Pädagogikkonzepte oder weil der Unterricht dort in verschiedenen Sprachen angeboten wird.
Hausaufgaben und Betreuung
Hausaufgaben werden regulär nicht in der Schule, sondern erst nach dem Unterricht zu Hause oder in der Betreuung gemacht. Damit Ihr Kind auch bis zum späteren Nachmittag betreut ist, können im Anschluss an den Unterricht Betreuungsangebote innerhalb oder außerhalb der Schule (je nach Angebot) zusätzlich organisiert und bezahlt werden.
Notensystem
Die mündlichen und schriftlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler werden mit einem Notensystem von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) bewertet. Die Note 4 gilt als „ausreichend“ und stellt eine Bestehensgrenze dar. Wird eine Klausur mit der Note 5 oder 6 bewertet, gilt diese als nicht bestanden.
In der gymnasialen Oberstufe, also ab der 10. Klasse, gilt stattdessen bei der Bewertung ein Punktesystem von 0 bis 15. Hierbei gilt 15 als höchste zu erreichende Punktzahl. Aus der Gesamtpunktzahl wird dann eine Durchschnittsnote zwischen 1 bis 6 errechnet.
Schulformen und Schulabschlüsse
Ein einheitliches Schulsystem für ganz Deutschland gibt es nicht, denn für die Bildungspolitik sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Generell wird zwischen Grundschule (Klassenstufen 1–4) und weiterführenden Schulen (ab Klassenstufe 5) unterschieden.
In Hessen sind die weiterführenden Schulen: Gymnasium, Gesamtschule, Realschule und Hauptschule. Auf welche dieser Schulen ein Kind nach der Grundschule geht, entscheiden die Eltern – und die Lehrer oder Lehrerinnen, die zumindest eine Empfehlung aussprechen. Bei der Entscheidung spielen Schulnoten und Sozialverhalten eine Rolle. Die Schulen können aber auch später noch gewechselt werden.
Grundschule
Ab sechs Jahren müssen Kinder in die Grundschule. Diese dauert insgesamt vier Jahre. Dort lernen Kinder die Grundlagen in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Kunst, Musik und Sport. Auch Englisch wird zum Teil angeboten. Im Mittelpunkt steht noch das spielerische Lernen, das zunehmend strukturiert wird und auf die weiterführenden Schulen vorbereitet.
Bei Grundschulen geht Ihr Kind auf die Schule, in deren Schulbezirk Sie wohnen. Das hat den Vorteil, dass der Schulweg nicht zu weit ist und schnell Freunde in der Nähe gefunden werden. Für private Schulen können Sie sich frei entscheiden, für weiterführende Schulen in aller Regel auch.
Hauptschule
Die Hauptschule bereitet auf eine schulische oder betriebliche Berufsausbildung vor und endet mit der neunten Klasse und einem Hauptschulabschluss. Der Unterricht ist eher praxisorientiert und vermittelt eine grundlegende allgemeine Bildung sowie berufsorientierende Kompetenzen. Hauptschulen arbeiten oft eng mit Unternehmen und Betrieben zusammen, wo die Schülerinnen und Schüler Praktika machen und so auf das Berufsleben vorbereitet werden. Hauptschulen werden aber immer seltener.
Realschule
Auch die Realschule bereitet auf eine Berufsausbildung vor, endet allerdings erst mit der zehnten Klasse und einem Realschulabschluss. Es handelt sich dabei um einen mittleren Schulabschluss. Die Qualifikation ist damit höher als ein Hauptschulabschluss und eine größere Auswahl an Ausbildungsberufen steht zur Verfügung. Auch ein anschließender Wechsel auf die gymnasiale Oberstufe auf dem Gymnasium ist möglich.
Gymnasium
Auf dem Gymnasium wird eine vertiefte allgemeine Bildung vermittelt. Das Gymnasium geht – je nach Bundesland – bis zum Abschluss der zwölften oder dreizehnten Klasse. Am Ende steht die Abiturprüfung. Wird diese erfolgreich bestanden – das heißt mit der Note 4,0 (bzw. 300 Punkte) oder besser – wird die Allgemeine Hochschulreife erreicht. Das ist in Deutschland der höchste Schulabschluss, der neben einer Ausbildung auch zum Studium an einer Hochschule berechtigt.
Gesamtschule
An eine Gesamtschule können alle Schülerinnen und Schüler gehen. Hier können, je nach Leistung des Kindes, alle Abschlüsse gemacht werden. Diese Schulform ersetzt in Deutschland immer mehr die Hauptschulen und Realschulen.
Unterrichtszeiten und Unterrichtssprache
Die Unterrichtszeiten sind deutlich kürzer als in vielen anderen Ländern. Die Schule beginnt meist schon um 8 Uhr morgens. Der Unterricht findet immer am Vormittag statt. Ältere Kinder haben auch nachmittags Unterricht. Immer häufiger wird aber auch für jüngere Kinder Nachmittagsunterricht angeboten.
Der Unterricht in allen Fächern findet auf Deutsch statt, mit Ausnahme der internationalen und bilingualen Schulen. Wenn Ihr Kind die deutsche Sprache noch nicht ausreichend beherrscht, gibt es an vielen Schulen spezielle Förderungsangebote „Deutsch als Fremdsprache“.